Projekt

Beschreibung

Trotz klarem Verbot blüht im Ribeira-Tal der illegale Tierhandel. Der Fang und der Verkauf von Wildtieren sind finanziell attraktiv. Der illegale Tierhandel bedroht aber die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht dieser Schutzzone. Es ist bekannt, dass bis zu 90 Prozent der gehandelten Tiere zwischen Fang- und Zielort elend verenden. 

Einige der Spezies des atlantischen Urwaldes sind auf der roten Liste der vom Aussterben bedrohten Tierarten, so etwa die Tigerkatze (gato-do-mato-pequeno, leopardus tigrinus) oder das Löwenäffchen. Letzteres ist heute nur noch ganz selten im Urwald anzutreffen. Aufgrund ihrer Seltenheit, sind gerade die bedrohten Tierarten bei Wilderern begehrt.

Überaus begehrt sind auch Vögel. Die Tiere – vor allem Papageien – werden gefangen und in allen möglichen und unmöglichen Transportbehältern vor der Polizei  versteckt. Dazu dienen, je nach Grösse des Fangs, WC- und Kartonrollen, Milchpackungen (vor ca.  zwei Jahren wurden 150 Vögel in Milchpackungen versteckt von der Umwelt-Polizei auf der Strasse zwischen Iporanga und Barra do Turvo konfisziert). Viele Tiere ersticken in diesen engen Behältern oder verenden am Stress. 

Zielorte des illegalen Tierhandels sind v.a. europäische Länder.

Der illegale Tierhandel wird von der brasilianischen Regierung bekämpft. Die Umweltpolizei verhaftet die Händler. Die Polizei verfügt jedoch nicht über eine geeignete Infrastruktur zur artgerechten Unterbringung, Betreuung und Auswilderung der konfiszierten - zum Teil verletzten - Tiere. Diese werden oftmals auch nach der „Befreiung“ in kleinen Käfigen belassen und vegetieren vor sich hin.

Unser Projekt zur Pflege, Quarantäne und Freilassung von Wildtieren hat sich seit seiner Initiierung im April 2012 stetig erweitert. Angesichts des grossen Zuspruchs, das unser zunächst provisorisches Projekt auslöste entschieden wir uns für den Bau einer professionellen Pflege- und Auswilderungsstation.

tiere

Von der Polizei konfiszierte Tiere, Quelle: www.petrede.com

Schreieule 2  in der Pflege

Schleiereule

psittaciden in der Pflege2

Psittaciden in der Pflege

Die neue Anlage ermöglicht eine artgerechte und professionelle Pflege der Tiere bis zum Zeitpunkt ihrer Auswilderung. Wir verfügen bereits über ein für die neue Anlage geeignetes Grundstück in der Reserva Betary (einem von Privatpersonen gegründeten Naturreservat mit Forschungsstation).  Dieses Grundstück wurde uns von Dr. Sergio Luis Pompeia, Gründer der Reserva Betary,  zur Verfügung gestellt. (s.o., Karte der Reserva Betary mit dem Standort der Pflege- und Auswilderungsstation: grüne Fläche)

Das vier-Hektaren grosses Grundstück ist etwa sieben Kilometer von Iporanga entfernt. Dank Sergios Grosszügigkeit sind wir in der glücklichen Lage, unsere Pflege- und Auswilderungsstation im Naturschutzgebiet zu errichten. Das dafür notwendige Baurecht wird uns kostenlos eingeräumt.

Mit der Station ermöglichen wir den aus dem illegalen Tierhandel konfiszierten, und zum Teil verletzten Tieren, die Freiheit in ihrem natürlichen Habitat wieder zu erlangen. In Brasilien nennt sich diese Art Pflege- und Auswilderungsstation ASMAS (Area de Soltura e de Monitoramento de Animais Silvestres). Der Aufbau einer solchen Station ist staatlich geregelt und streng überwacht. Er beinhaltet etliche administrative Auflagen.

Mit unserem Projekt unterstützen wir einerseits die Behörden auf lokaler Ebene im Kampf gegen den illegalen Tierhandel. Andererseits erhalten die gefangenen Tieren eine zweite Chance. 

Mittelbar profitiert aber auch das ganze Ribeira-Tal. Ein intakter Regenwald fördert den Ökotourismus, welcher wiederum eine langfristige Haupteinnahmequelle für die Bevölkerung des Ribeira-Tals werden soll. Schützen wir den Urwald und seine Tiere, unterstützen wir auch die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region, die es bitter nötig hat. Wenn jeder Bewohner einen angemessenen Lohn bekäme, hätten wir hier auch weniger Wilderer. In diesem Sinne unterstützt und schützt unser Projekt nicht nur die Fauna des atlantischen Regenwaldes, sondern auch den wirtschaftlichen Fortschritt in dieser armen und isolierten Gegend. 

Mit unserem Projekt leisten wir zudem einen Beitrag zur Aufklärung der Bevölkerung. Unser Zielpublikum sind Kinder und Jugendliche. Zusammen mit den hiesigen Schulen organisieren wir Vorträge über die Haltung und die Bedürfnisse von Wildtieren. So vermitteln wir den Tierschutzgedanken an die kommenden Generationen.

Um das Projekt finanziell abzusichern, haben wir einen schweizerischen Verein gegründet, der den langfristigen Erfolg der oben beschriebenen Ziele garantieren soll. Wir suchen engagierte, tierliebende Naturfreunde, die unser überschaubares, nützliches Projekt finanziell und moralisch unterstützen und wir verpflichten uns mit unserem Namen zu einem sorgsamen Umgang mit dem Geld.

karte zentrum

Karte

Das Zentrum liegtin der Mitte von Naturschutzgebieten (in grün).

Satellitenbild Zentrum

Satellitenbild der Lage des Zentrums

Satellitenbild der Lage des Zentrums. Es wurden keine Bäume für den Bau gefällt

Rückblick

Im Jahre 2016 konnte der Bau des Gebäudes endlich starten, nachdem die vielen behördlichen Bewilligungen eingeholt und die staatlichen Auflagen erfüllt waren. Das Grundstück musste zum Teil mit schweren Maschinen bearbeitet werden, aber dank den grosszügigen Spenden und zahlreichen zum Teil freiwilligen Helfern schritt die Bauphase schnell voran.

Anfangs 2017 konnte der Rohbau beendet werden. Unsere Auswilderungsstation besteht aus einem Empfangsraum, einer Küche, einer kleinen Praxis, einem Zimmer mit Dusche/WC für Praktikanten, einem Lager für Tierfutter und einer Terrasse. 

Wilderer in den Reservaten sind durch unsere Präsenz bereits verunsichert. Wir werden rasch gerufen, wenn verletzte Wildtiere von der lokalen Bevölkerung geborgen werden. 

Wir pflegen den Kontakt mit den lokalen Gemeinschaften (Quilombos), und informieren über schädliche Folgen der illegalen Jagd in der Region. Die Leiter dieser Gemeinschaften sind unsere Alliierten gegen die Wilderei, und mit ihnen organisieren wir Informationsabende und Abwehrstrategien.

bau 2

Der Zufahrtsweg wird erweitert.

lieferung ziegel

Lieferung der Ziegel   

Bau des Zentrums

Das Gebäude entsteht langsam.

Baufortschritt

Rohbau

zentrum 2016

Bauvortschritt


Ausblick

Isaias, unser technischer Leiter, hat kürzlich eine Betriebsbewilligung beim „Secretaria do Meio-ambiente“ in São Paulo angefordert. Das Amt wird eine Inspektion des Zentrums durchführen und anschliessend die Betriebsbewilligung erteilen. Dann werden wir endlich in grossem Stil Tiere pflegen und in die Natur freilassen können. 

Vor ihrer Freilassung werden Tiere mit Ringen (Vögel) oder Chips (Säuger) versehen, sodass sie nach der Freilassung weiterhin über Monate hinweg beobachtet werden können. Entsprechende Berichte werden den Behörden weitergeleitet. 

Isaias pflanzt und sät bereits Futterpflanzen für Wildtiere. Bananen-Stauden, Papayas, Passionsfrüchte, Manioc, Zuckerrohr und andere einheimische Sträucher gedeihen bestens. Unsere Feinde sind Ameisen, die in einer Nacht Sträucher kahl fressen können. 

aussenvoliere

Aussenvoliere

Anlage fertig

Das Gebäude im jetzigen Zustand.

Was noch fehlt

  • Möbel (Stühle, Betten, Tische, etc.)
  • Ein Teil der Praxiseinrichtung (Binokular, medizinische Instrumente, usw.)
  • Futterpflanzen (Bananen-Bäume, Papaya-Bäume usw.) und andere Sträucher
  • Geräte für die Gestaltung und die Pflege der Anlage.
  • Ein Transportfahrzeug (Auto)
  • Finanzen für tägliche Betriebskosten